Standölfarben sorgen für barocken Look
Die Fenster des Erbdrostenhofes im westfälischen Münster strahlen mit einer Beschichtung von „Kreidezeit“ in frischem Weiß. Sie kommen dem historischen Original ganz nah.
Um historische Gebäude im Stil ihrer Zeit zu sanieren, ist Know-how und enorm viel Handwerk gefragt. Der Erbdrostenhof im westfälischen Münster, ein barockes Schmuckstück, ist ein Beispiel dafür. Erbaut in der Mitte des 18. Jahrhunderts als Adelspalais, brannte das repräsentative Bauwerk im Zweiten Weltkrieg bei Bombenangriffen völlig aus. Doch es wurde wiederaufgebaut – nach historischen Plänen. Der barocke Festsaal mit seinen Fresken wurden exakt rekonstruiert. Auch die Fenster wurden während der 50er-Jahren originalgetreu aus hochwertigen Pitchpine-Hölzern gefertigt.
Doch ihr Lack begann zu blättern: Nach 70 Jahren stand die Sanierung der circa 40 prächtigen Holzsprossenfenster der Südfassade an. „Dabei sollte die Substanz möglichst erhalten bleiben“, sagt Maik Ebert, Geschäftsführer und Projektleiter bei Kramp & Kramp, einem Spezialisten für Restaurierung und Denkmalpflege aus dem circa 120 Kilometer entfernten Lemgo. „Für uns eine handwerkliche Herausforderung angesichts der hohen Qualität dieser Fenster, ihrer Passgenauigkeit und ihrer fein profilierten Glasleisten und Sprossen.“
Den alten Anstrich abzunehmen erforderte viel Geduld und Sorgfalt. Die Blendrahmen wurden direkt auf der Baustelle thermisch entschichtet, also mit einem Heißluftfön erwärmt, um die Lackreste vorsichtig mit einem Spachtel abzutragen. Besonders heikel waren dabei die scharf- und vollkantigen Profilierungen. Die Fensterflügel wurden ausgebaut, nummeriert und in die Werkstatt nach Lemgo gebracht, wo alte Farbschichten mithilfe einer biologischen Abbeizpaste angelöst und abgewaschen wurden.
Dann machten sich die Tischler ans Werk: Die Scheiben wurden aus den Fensterflügeln entfernt. Verwitterte oder schadhafte Stellen wurden ausgefräst und mit Reparaturstücken in gleicher Holzart eingeleimt, um die Originalsubstanz möglichst zu erhalten.
In der Maler- und Glaserwerkstatt wurden die Hölzer zunächst grundiert, ein Zwischenschliff glättete die aufgestellten Holzfasern. Erst dann wurden die Scheiben wieder mit Leinöl-Kitt eingesetzt. Bei der Grundierung wie auch der Oberflächenbeschichtung griffen die Restauratoren auf das Standöl-Beschichtungssystem von Hersteller Kreidezeit zurück. „Die Farben bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Leinöl und lichtechten Erd- und Mineralpigmenten und kommen damit den historischen Materialien ganz nah“, so Maik Ebert. Auf die Grundierung folgten zwei Zwischenanstriche und dann ein weißer Schlussanstrich. Dabei wurde die Standölfarbe nur mit Pinseln aufgetragen. Das ließ eine optische Struktur entstehen, die im 18. Jahrhundert typisch war.
Das Entschichten, die Reparaturarbeiten, vier Anstriche plus Zwischenschliff: So aufwändig die Sanierung der historischen Fenster auch war, langfristig wird das die Pflege des barocken Kleinods deutlich erleichtern. Im Gegensatz zu synthetischen Produkten sind Standölfarben dünnschichtig: Sie reißen, platzen und blättern nicht, sondern wittern nur allmählich oberflächlich ab. Ein Ablösen alter Lacke ist in Zukunft nicht mehr nötig. Gründliches Reinigen und Überstreichen reichen aus.
Die Fenster des Südportals strahlen den Besuchern aus aller Welt jetzt in frischem Weiß entgegen. Nach wie vor finden im Festsaal des Erbdrostenhofes Konzerte, Vorträge, kulturelle und andere öffentliche Veranstaltungen statt. Daneben beherbergt das Palais auch Dienstzimmer für Mitarbeiter des Landschaftsverbands Westfalen Lippe, der das Baudenkmal verwaltet, sowie eine bedeutende Sammlung an historischen Instrumenten.
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Kreidezeit Naturfarben GmbH
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